Jammerst du noch oder hinterfragst du dich schon?

Wieder einmal regnet es draußen, beim Bäcker sind bereits deine Lieblingsbrötchen ausverkauft und die Deutsche Bahn ist wie immer zu spät. Keine Angst ich möchte Dich jetzt nicht dazu anhalten in allem das Positive zu sehen oder immer so zu tun, als wäre alles wunderbar. Vielmehr möchte ich dein Bewusstsein dafür schärfen, ob es immer nötig sein muss zu jammern. Denn sein wir doch mal ehrlich, wirklich wichtige Gründe gibt es in unserer Gesellschaft dafür eigentlich nicht.

Jammern? Warum eigentlich?
Aber warum tun wir es dann trotzdem? Da wäre zunächst einmal der Aspekt der Aufmerksamkeit. Stell dir vor, du erzählst von einem schrecklichen Hotel aus deinem letzten Urlaub. Vermutlich wird dein Gesprächspartner voller Mitgefühl reagieren und dich zusätzlich noch bemitleiden und somit bekommst du deine Aufmerksamkeit. Wir jammern auch aus Neid (das Gras auf der anderen Seite ist ja bekanntlich immer grüner) oder um eigene schlechte Leistungen zu rechtfertigen. So war doch immer der Lehrer Schuld, wenn wir in der Schule eine schlechte Arbeit geschrieben haben, oder?Jammern lässt sich aber auch als taktisches (oftmals unbewusstes) Hilfsmittel einsetzen. So erhoffen wir uns, dass der Partner endlich den Müll runterbringt, wenn wir uns darüber beklagen, dass dieser immer noch im Flur steht. Zu guter Letzt jammern wir um Gemeinsamkeiten in einem Gespräch zu erreichen. Es lässt sich also erkennen, dass Jammern viele Vorteile mit sich bringt.

Jammern verändert unser Gehirn
Nun magst Du dich vielleich fragen, warum es dann besser sein sollte damit aufzuhören? Jeffrey Lohr, Psychologie Professor an der Universität von Arkansas, konnte herausfinden, dass Jammern unser Gehirn verändert. Vereinfacht ausgedrückt ist unser Gehirn ein Gewohnheitstier. Es arbeitet am liebsten im Autopilot und greift dabei oft auf bekannte Denkmuster zurück. Ein Beispiel: Wenn Du morgens auf die Arbeit kommst und dich in der Kaffeeküche erstmal bei deinen Kollegen über das neue Projekt auslässt, programmierst du dein Gehirn negativ. Bei mehrmaliger Wiederholung riskierst du, dass du bei allgemeinen Gedanken an deinen Job insgesamt negativ empfinden wirst. Bei der Verarbeitung dieser negativen Emotionen sendet unser Gehirn dann außerdem Alarmsignale an den Körper, woraufhin unser Organismus das Stresshormon Cortisol ausschüttet. Ein erhöhter Cortisolspiegel kann dann beispielsweise Herzerkrankungen, Diabetes und Depressionen herbeiführen.

Achtung Fakten!
Die gute Nachricht: Positive Gedanken haben eine ebenso große Wirkung auf das Gehirn wie negative. Wer dankbar und optimistisch durchs Leben geht, senkt laut Wissenschaftlern der University of California sein Cortisollevel um 23 Prozent.

Überzeugt?!
Wie können wir also das Jammern vermeiden? Zunächst einmal sollten wir uns bewusst werden, wie viel wir eigentlich jammern. Nicht so viel, meinst du? Das dachte ich auch, als ich vor kurzem mit dem „Jammerfasten“ begonnen habe. Das Ergebnis war zunächst ernüchternd, aber auch eine Motivation etwas zu verändern.Ich habe also im ersten Schritt mein Bewusstsein geschärft und mich dann immer wieder hinterfragt warum ich eigentlich jammere. Was mich genau stört oder auch was ich damit (unterbewusst) erreichen möchte. Mittlerweile verfolge ich das Motto: „Love it. Leave it, or change it.“

Ein Beispiel
Stell dir zum Beispiel vor, du bist bei einem guten Freund zu Besuch und hattest dich darauf gefreut, dass ihr den ganzen Abend zusammen über alte Zeiten plaudert. Nun ist dein Freund allerdings ein Serienjunkie und ausgerechnet heute Abend fängt die neue Staffel seiner Lieblingsserie an. Du könntest dich jetzt stillschweigend über deinen Freund aufregen. Du kannst aber auch die Opferrolle verlassen und deine Gegenwart aktiv gestalten. So kannst du die Situation akzeptieren (Love it) und eventuell sogar deine neue Lieblingsserie kennenlernen. Ebenfalls hast die Möglichkeit das Treffen vorzeitig zu beenden (Leave it) oder du besprichst mit deinem Freund, dass du dir den Abend anders vorgestellt hast und fragst ihn, ob er die Serie eventuell über die Mediathek später anschauen kann (Change it). Du siehst – es gibt viele Möglichkeiten das Jammern in den Griff zu bekommen.

Jammern hat auch Vorteile
Aber ehrlich gesagt funktioniert es nicht immer sich dem Jammern zu entziehen. Dann ist es hilfreich, einmal den Blickwinkel zu ändern und das positive am Jammern zu betrachten. Es besitzt nämlich eine erkenntnisliefernde Funktion, die wir nutzen können um Defizite und Probleme in unserem Leben zu lösen. Außerdem können wir es bewusst nutzen, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu entscheiden, mit welchem Blick wir die Dinge betrachten wollen. So kann der Regen unsere lebenswichtige Pflanzenwelt versorgen, das ausverkaufte Lieblingsbrötchen dazu ermutigen einen gesunden Salat zu bestellen und die Wartezeit am Bahnhof genutzt werden, um die neuste Folge deines Lieblingspodcast zu hören.

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