Embodiment – Die Kraft der Körpersprache

Das englische Wort „Embodiment“ heißt übersetzt so viel wie „Verkörperung“. Hierbei geht es um die Betrachtung und die Einstellung, dass die Psyche stets in den Körper eingebettet ist. Hört sich logisch an, oder? Dieser Umstand wird aber tatsächlich erst seit einigen Jahren genauer betrachtet. So wurde noch vor wenigen Jahren in der psychologischen Beratung und Betreuung der Fokus ausdrücklich auf die Denkfunktionen eines Individuums gelegt. Die Haltung und Funktionen des Körpers wurden dabei nicht berücksichtigt. Das Ergebnis psychischer Prozesse waren demnach körperliche Reaktionen, Gefühlsausdrücke und Verhaltensweisen. So lächeln wir beispielsweise, wenn wir zufrieden sind. Die Ansätze des Embodiments gehen davon aus, dass wir diese Abfolge aber auch umdrehen können. Demnach würden wir zuerst lächeln und uns erst danach zufrieden fühlen.

Embodiment und die Wissenschaft
Erste wissenschaftliche Erkenntnisse stammen aus dem Jahr 1988. Damals führte der Sozialpsychologe Fritz Strack an der Universität Mannheim ein inzwischen klassisches Experiment durch: Hierbei sollten Probanden einen Bleistift quer in den Mund nehmen. Dadurch hoben sich automatisch und unbewusst ihre Mundwinkel – mit einem verblüffenden Effekt: Die Probanden fanden eine Reihe von Cartoons mit Stift im Mund deutlich lustiger als ohne.

Weitere Untersuchungen aus den 90er Jahren konnten außerdem zeigen, dass neben der Mimik auch die Körperhaltung einen Einfluss auf das Wohlbefinden ausübt. So fühlst du dich zum Beispiel selbstbewusster, wenn du dich aufrecht hinstellst und die Schultern zurücknimmst – die sogenannte Power-Pose (hilft super vor Präsentationen ;)).

Amerikanische Psychologen gingen auch der Frage nach, ob Körperbewegungen auf die Einstellungen zu einem bestimmten Sachverhalt Einfluss nehmen können. Unter dem Vorwand, den Einfluss von Bewegung auf die Qualität von Kopfhörern zu testen, sollte eine Studentengruppe während der vorgespielten Sendung mit dem Kopf nicken, die zweite Gruppe den Kopf schütteln und die dritte den Kopf ruhig halten. Die Studenten hörten eine Informationssendung über die Erhöhung der Studiengebühren, wozu jeder Student höchstwahrscheinlich eine negative Einstellung hat.

Das Ergebnis der Untersuchungen fiel erstaunlich aus: Während die Kontrollgruppe, die den Kopf ruhig gehalten hatte, die derzeitigen Gebühren für angemessen hielt, wollte die Mehrheit der Kopfschüttler die Gebühren senken. Die Kopfnicker hingegen waren mehrheitlich bereit einen deutlichen Zuschlag zu der derzeitigen Studiengebühr zu akzeptieren.

Weitere Experimente knapp zusammengefasst:

  • Ein bitterer Geschmack im Mund lässt uns das Verhalten anderer strenger beurteilen.
  • Mit einer warmen Kaffeetasse in den Händen werden wir freundlicher, wärmer und großzügiger gegenüber unseren Mitmenschen.
  • Wer häufig mit Botox seine Gesichtsmuskeln lähmt, verliert zunehmend die Fähigkeit, Gesichtszüge anderer zu lesen, baut also emotionale Intelligenz ab.
  • Wer ein schlechtes Gewissen hat, neigt dazu, sich öfters zu waschen, als jemand der sich moralisch für einwandfrei hält.
  • Trägt man einen Laborkittel, so wird die Aufmerksamkeit erhöht.
  • Personen empfinden mehr Stolz für ihre eigene Leistungen, wenn sie ein Lob in aufrechter Körperhaltung erhalten als in gekrümmter.

Was soll das Ganze nun?
Welche Schlussfolgerungen lassen sich nun aus diesen wissenschaftlichen Befunden ziehen? Werden wir automatisch gut gelaunt sein, wenn wir uns einen Stift zwischen die Zähne klemmen? Vermutlich nicht. Wir wissen jedoch jetzt, dass der Körper der Spiegel der Seele ist. Aber auch, dass die Psyche der Spiegel des Körpers ist. Sich nur die Psyche/Gedanken oder nur den Körper anzuschauen, wenn es darum geht das eigene Wohlbefinden steigern zu wollen, macht demnach keinen Sinn. Wie so oft liegt der Schlüssel in der ganzheitlichen Betrachtung. Falls du Lust hast auszuprobieren, wie du auf eine Embodiment Übung reagierst und nicht so große Lust hast einen Stift in den Mund zu nehmen, darfst du jetzt noch einmal gespannt weiterlesen:

 Die Yes, Yes, Yes Übung
Stell dich aufrecht hin, winkel deine Arme an und balle deine Fäuste (Tipp: Schaue dir das Bild des Blogbeitrags an). Dann hebst du deine Arme nach oben und ziehst sie mit einem Ruck wieder zurück (Vielleicht hilft dir auch die Vorstellung imaginärer Klimmzüge). Diesen Vorgang wiederholst eine Minute lang in schneller Geschwindigkeit und sagst dabei laut „Yes, yes, yes, yes…“. So bescheuert dir diese Übung auch vorkommen mag (zumindest ging es mir so), sie hat das Potential dich in einen positiven Zustand zu versetzen. Du kannst sie auch mal eine Woche lang jeden Morgen machen und schauen wie es dir nach dieser Woche geht. Egal, ob du nur eine Minute oder sofort das Wochenexperiment ausprobierst, einen Versuch ist es wert!

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