Das Komfortzonen-Thema

Wenn man sich mit der eigenen Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetzt so stößt man über kurz oder lang auf das Thema der Komfortzone. Häufig fallen dann Sätze wie: „Das Leben findet außerhalb der Komfortzone statt.” oder „Dein Leben beginnt dort, wo deine Komfortzone endet.”. Diese Sätze implizieren, dass wir nur „richtig” leben, wenn wir uns immer wieder herausfordern, immer wieder Dinge tun, vor denen wir Angst haben oder die uns zu groß erscheinen. Ich möchte das Thema der Komfortzone in ein anderes Licht stellen und keine Bewertung über das „eine” beziehungsweise das „richtige” Leben vornehmen. In meinen Augen ist dies auch gar nicht möglich, da jeder Mensch seine eigene Definition von einem richtigen Leben in sich trägt.

Unsere Basis – Die Komfortzone 
Ich stimme mit den Ansätzen der Psychologie überein, dass die Komfortzone den Bereich unseres Lebens widerspiegelt, in dem uns die Dinge leicht von der Hand gehen, in dem wir nicht lange überlegen müssen. So fühlen wir uns oftmals wohl, wenn wir Routinearbeiten verrichten oder unsere Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen. Nico Rose, einer der führenden Experten der Positiven Psychologie ist sogar der Meinung, dass ein Großteil dessen, was unser Leben lebenswert macht, in dieser eng definierten Grenze stattfindet. Er widerspricht damit den oben genannten und weitverbreiteten Zitaten. So ist er der Meinung, dass die Komfortzone die Basis darstellt, um sich überhaupt persönlich zu entwickeln oder wachsen zu können. Das bedeutet, wenn wir keinen geschützten Bereich, alias Komfortzone, in unserem Leben hätten, wären wir gar nicht in der Lage die sogenannte „Wachstumszone“ zu betreten. Wir betreten diesen Wachstumsbereich, wenn wir etwas Neues ausprobieren, beispielsweise ein neues Hobby. Dafür brauchen wir nicht nur Mut und Energie, sondern häufig begleiten uns bei diesem Prozess auch Angst und Verunsicherung. Dementsprechend ist es möglich, dass wir über unser Ziel hinausschießen, uns beim Verlassen der Komfortzone komplett überfordern und uns so schnurstracks in der angrenzenden Panikzone befinden.

Eine Kurzgeschichte gefällig? 
Wir können also erkennen, dass die Komfortzone häufig zu Unrecht verpönt wird. Des Weiteren ist das Verlassen der Komfortzone nicht immer so erkenntnisbringend und hilfreich, schon gar nicht, wenn wir uns körperlich und mental zu viel zumuten. Wenn du Lust hast zeige ich dir im Folgenden noch einen anderen Ansatz des Komfortzonen Themas. Dabei möchte Ich deinen Blick auf eine andere Betrachtungsweise von Komfortzonen richten und die zuvor beschriebene kategorische Grenzeinteilung (Komfortzone, Wachstumszone und Panikzone) in Frage stellen. Dafür darfst du dich jetzt noch entspannter zurücklehnen, kurz durchatmen und dann die gekürzte Geschichte “Der angekettete Elefant” von Jorge Bucay auf dich wirken lassen:

“In einem Zirkus wurde eines Tages ein Elefantenjunges geboren. Seit dem ersten Tag seiner Geburt wurde es mit einer Kette an einem Pfahl befestigt, damit eine Flucht nicht möglich war. Der Pflock war allerdings nichts weiter als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Der kleine Elefant zog und riss an seiner Kette und versuchte alles, um sich irgendwie zu befreien. Trotz aller Anstrengung gelang es ihm nicht. Diesen Kampf führte der kleine Elefant mehrere Monate, bis er sich an sein vermeintliches Schicksal gewöhnt hatte. Der Elefant entdeckte daraufhin die kreisförmige Umgebung, die vom Pfahl begrenzt wurde. So vergingen Jahre und obwohl der Elefant mittlerweile die Größe und Stärke erreicht hatte, um den kleinen Pfahl aus dem Boden zu reißen, versuchte er diesen Krafttakt, der ihn befreien würde kein einziges Mal. Allzu tief hat sich die Erinnerung daran, wie ohnmächtig er sich kurz nach seiner Geburt gefühlt hat, in sein Gedächtnis eingebrannt.

Ich wollte mit dir diese Geschichte teilen, damit du erkennst, dass es uns oftmals so ergeht wie dem Elefanten. Wir beschränken uns auf einen kleinen Teil unseres Lebens und gewöhnen uns an diesen. Durch verschiedene Umstände haben wir also gelernt, nicht an unsere Ziele und Träume zu glauben. Wir waren vielleicht zu klein, um allein zum Mond zu fliegen oder unsere Familie war nicht der Meinung, dass eine Reise ins Ausland mit 16 Jahren die richtige Entscheidung sei. Wir glauben bestimmte Dinge sind möglich oder eben nicht, weil wir es durch die Reaktion unserer Umwelt so erfahren haben.

Was sind deine Grenzen? 
Wie können wir also mit dem Komfortzonen-Thema umgehen? Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass das Leben nur außerhalb der Komfortzone stattfindet. Ich plädiere auch nicht dafür, dass du auf Teufel komm raus und gegen deine eigene Überzeugung diese vermeintliche Grenze übertreten sollst. Ich möchte dich ermutigen, dass du deine Komfortzone als etwas siehst, das ganz individuell wachsen darf. Es braucht dafür keine großen Schritte, kein großes Tamtam. Ich finde es viel wichtiger, dass wir erkennen, wo wir uns selbst begrenzen, wo wir eigentlich keine Begrenzungen wünschen. Das wir uns trauen loszuziehen, unser wahres Potential erkennen und unser Leben nicht von vermeintlichen Grenzen bestimmen lassen.

 

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