Authentisch sein – Lerne nein zu sagen und ja zu dir selbst

Kennst du das? Du kommst nach einem Abend bei deinen Freunden nach Hause, ihr habt über kontroverse Themen diskutiert und nun ärgerst du dich, dass du nicht deine Meinung gesagt hast? Oder du konntest deinem Chef schon wieder diese Extraaufgabe nicht abschlagen und nun fällt dein freies Wochenende buchstäblich ins Wasser?

Wann ist man eigentlich authentisch?
Ich kenne diese Situationen und vor allem diese Gefühle, die dann plötzlich entstehen, nur zu gut. Besonders Wut und Ärger auf mich selbst bringen mich dann gehörig durcheinander. Aus diesem Grund habe ich zu Beginn dieses Jahres entschieden, so oft es geht für meine Meinung einzustehen, auf mein Bauchgefühl zu hören und nach meinen Werte zu leben. Oder kurz gesagt, ich will authentisch sein! Das hört sich so wunderbar einfach an aber ehrlich gesagt, ist es gar nicht so leicht. 
Lass uns aber zunächst einmal einen Schritt zurück gehen und die Erkenntnisse der Psychologie näher betrachten. Im „Dorsch“ Lexikon der Psychologie werden mehrere Aspekte im Zusammenhang mit dem Konstrukt „Authentizität“ beschrieben. Ich möchte mit dir drei davon näher beleuchten:

  1. Authentizität bedeutet, nach seinen Gedanken, Emotionen, Bedürfnissen, Werten, Vorlieben und Überzeugungen entsprechend zu handeln.
  2. Selbsterkenntnis ist die Voraussetzung, um authentisch sein zu können.
  3. Authentisches Verhalten wird nicht von äußeren Einflüssen bestimmt, sondern entspringt aus der eigenen Person.

1. Authentisch sein – oder wer bin ich eigentlich?
Gehen wir der Reihe nach und betrachten zunächst den ersten Aspekt genauer. Hierbei geht es zunächst einmal um eine Art Grundgerüst, um die Definition, wenn wir verstehen wollen was Authentizität bedeutet. Gleichzeitig finden wir in diesem ersten Aspekt aber auch eine versteckte Aufforderung, uns selbst zu hinterfragen was eigentlich genau UNSERE Gedanken, Emotionen, Werte und Bedürfnisse sind. Wir können also erkennen, dass Authentizität wesentlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheint und viele weitere Fragen mit sich bringt:

  • Wer bin ICH?
  • Was ist MIR wichtig?
  • Wofür stehe ICH? 

Ich bin ehrlich diese Fragen, setzen mich persönlich oftmals unter Druck und erscheinen mir unendlich groß. Wenn es dir auch so geht, habe ich vielleicht eine passende Übung für dich. Sie ist denkbar einfach aber dennoch sehr effektiv, die Tür zu einem authentischen Leben zumindest für einen Spalt zu öffnen.

Übung 
Diese Übung besteht nämlich lediglich daraus einfach mal aufzuschreiben, was du nicht mehr in deinem Leben willst. Was akzeptierst du nicht mehr? Welche Verhaltensmuster (Konflikte, Energien, Zweifel usw.) bei dir selbst wirst du nicht länger akzeptieren?
Du kannst einfach drauf los schreiben (am besten analog) oder dich anhand verschiedener Lebensbereiche leiten lassen (Beziehungen, Familie & Freundschaft, Fitness, Beruf, …). Zu guter Letzt überlege doch auch einmal, von welchen Verhaltensmustern deiner Mitmenschen du dich abgrenzen möchtest.
Ich persönlich finde diese Übung toll, da sie das Thema der eigenen Persönlichkeit von einer anderen Seite beleuchtet. Wir wissen in meinen Augen nämlich oftmals wesentlich besser was wir nicht wollen oder wofür wir nicht stehen, als sagen zu können, dies und jenes ist mir wichtig. Diese Übung hilft uns demnach dabei einen Schritt näher zur Selbsterkenntnis zu gelangen, wo wir wieder bei den Aspekten des Dorsch Lexikons angekommen wären.

2. Selbsterkenntnis als Voraussetzung 
Der zweite Aspekt spiegelt nämlich, wie oben bereits angegeben, die Meinung der Psychologen wieder, dass Selbsterkenntnis als Vorsetzung gesehen wird, um überhaupt authentisch sein zu können. Wenn du wie ich der Meinung bist, das Selbsterkenntnis einfach nur das Ergebnis aus dem Wissen über die eignen Emotionen, Bedürfnisse, etc. darstellt, dann lass mich nochmal folgendes widerholen (doppelt hält besser ;):
Einer der wichtigsten Schritte, um seinen eigenen authentischen Weg zu finden und zu gehen, ist es sich darüber klar zu werden, wer du in deinem Leben sein möchtest, was du erschaffen möchtest und dir vor allem auch darüber bewusst wirst was du nicht mehr willst.

3. Nimm dich ernst! 
Kommen wir nun zum dritten und in meinen Augen auch zum schwierigsten Schritt. Das authentische Verhalten sollte nicht von äußeren Einflüssen bestimmt sein. Kennst du das, wenn du dich fragst, was die anderen wohl über dich denken, wenn du jetzt nicht diese objektiv tolle Chance nutzt? Oder du Angst hast, dass dein bester Freund dich nicht mehr mag, wenn du ihm ehrlich deine Meinung sagst?
In meinen Augen ist es das Beste, wenn du mit deiner Authentizität experimentierst und dann schaust und wahrnimmst was passiert. Frage dich was stört dich, wenn du dich nicht authentisch verhältst und natürlich auch andersherum wie es dir geht, wenn du authentisch handelst.

Trainiere deine Muskeln 😉 
Ich habe für mich festgestellt, dass authentisch sein ähnlich funktioniert wie ein Muskel. So ist es mir bei den ersten Malen noch ziemlich schwer gefallen meine Meinungen und Gefühle mit zu teilen und mittlerweile ist es wie ein Art Hobby für mich geworden genau hinzuhören und auszudrücken was ich eigentlich wirklich will. Überlege dir doch mal ganz konkret, in welcher zukünftigen Situation du gerne authentischer sein möchtest, ganz gleich ob im Umgang mit dir selbst oder bei einem nächsten Treffen mit deinen Freunden.
Konkretisiere dein Verhalten und sage dir selbst Wenn-dann-Sätze: „Wenn ich das nächste Mal ein Vorstellungsgespräch habe, dann sage ich ehrlich, wie wichtig mir meine außerberufliche Freizeit ist.“

Authentisch sein ist nicht leicht. Diesen Fakt haben wir schon zu Beginn dieses Textes festhalten können, aber es lohnt sich. Du lernst nicht nur mehr über deine eigene Persönlichkeit (und das willst du ja, sonst würdest du diesen Blog nicht lesen), sondern du stehst zu deinen Bedürfnissen und Werten, also zu dir selbst! Und sind wir doch mal ehrlich, in Anbetracht unserer kurzen Lebenszeit wäre es doch schrecklich, wenn wir es nicht versuchen würden, wir selbst zu sein!

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